Sonntag, 27. Mai 2018

Kinder-Indoor-LARP

Ich war gestern das erste Mal mit meinen Jungs in der Goblinstadt. Wo die beiden (nebst Freunden) routinierte Veteranen des Drachenlabyrinths sind (das ihrer Aussage nach etwa das gleiche ist), war ich trotz ihrer bisherigen Erzählungen völlig aus dem Häuschen. Gewandete Spielleiter, haufenweise LARP-Equipment und ein düsteres Keller-Ambiente. Für meinen Geschmack vielleicht ein wenig zu laut ...

Irgendwie sehe ich Parallelen zu den seit einigen Jahren aufkommenden Escape-Games (bei dem ich trotz Einladung noch nicht habe teilnehmen können), aber eben deutlich auf Kinder ausgelegt (ich glaube, es gibt inzwischen drei solcher Kinder-Indoor-LARPs in Hamburg). So bestand auch das Publikum der Goblinstadt hauptsächlich aus Kindern im Grundschulalter nebst erwachsener Begleitung. Dabei waren die Erwachsenen meistens nicht selbst in den düsteren und verwinkelten Gewölben unterwegs, sondern warteten außerhalb im Aufenthaltsbereich, der neben Tischen und Bänken auch Anmeldung, Gastronomie, LARP-Shop und Extra-Räume für Geburtstagsfeiern enthielt. Ich musste aber auf jeden Fall mit rein!
Der fast unscheinbare Eingang

Das Konzept ist so einfach wie mitreißend. Man kauft sich für X Stunden ein Abenteuerticket (minimal für 30 Minuten), bekommt dann ein Armband mit RFID-Chip und eine Heldenfigur, die man verkörpern möchte. Nach einer Einweisung eines SL (wie man s.B. mit den Polsterwaffen umzugehen hat) kann man sich in die Goblinstadt begeben. Man bucht sich dann mit dem Armband am Eingang zur Stadt ein und die Uhr läuft. Man sucht als erstes den Tresen der Heldengilde auf, wo die SL einen erstmal der Charakterklasse gerecht ausstattet. Der Heiler bekommt eine Tasche mit Verbänden, das Schlitzohr Dolche und Schlüssel, der Magier eine Tasche mit Feuerbällen und ein kleines Licht und der Krieger einen Dolch. Die Charakterkarten haben freie Flächen, die nach und nach abgestempelt werden - so "levelt" man. Man geht dann zum Tresen der Heldengilde und bekommt einen Auftrag zugeteilt. Der könnte zum Beispiel "Wie heißt der Besitzer vom örtlichen Gasthaus" heißen, wobei auf der Rückseite eine kurze Beschreibung geliefert wird, warum die Heldengilde für die Erkenntnis eine Gruppe Abenteuer aussendet. Wir haben uns mit einem solchen Kärtchen immer ein wenig abseits gestellt und einer hat vorgelesen. Das war gar nicht so einfach, da die Goblinstadt gestern trotz Traumwetter unglaublich stark besucht (also laut) war  - der SL nach eher ungewöhnlich.

Ohne das Licht des Magiers gehts nicht
So haben wir nach und nach, im Halbdunkel der Stadt eine Aufgabe nach der anderen gemeistert. Unsere Figuren sind bei einem früheren Besuch z.T. schon hochgelevelt worden (ich fing frisch als Knappe an) und so hatte unser Magier auch bereits von einem kleinen (teelichtgroßen) Lichtzauber auf einen ordentlichen Lichtstein umgesattelt, und das war auch echt notwendig. Die Lösungen der Aufgaben sind meist durch an die Wand geheftete Plakate oder Information gebunden. Die sind mal auf Kopfhöhe, mal aber auch im Düsteren nahe des Bodens oder über unseren Köpfen. Auch Regale mit Waren im Warenhaus oder die Proben in Professor Nullpeils Labor sind in der Regel auf die Wand gemalt und ohne mitgebrachte Lichtquelle geht da gar nichts.

Die Aufgaben sind zwischen weißen und schwarzen geteilt, wobei die schwarzen in die von Monstern bevölkerte Viertel führten. Während viele größere Kinder genau dahin strebten, mussten wir uns auf mehrheitlichen Wunsch auf die ungefährlicheren Aufgaben konzentrieren. Irgendwann hatte ich Schwert und Armschienen (geben zwei Extra Lebenspunkte), konnte das aber nur einmal einsetzen.

Die Charakterkärtchen
Man steigt durch die als Belohnung für erledigte Questen erhaltenen Rohstoffkarten auf. Die haben unterschiedliche Symbole und jeweils Anzahl X von einem Symbol lässt eine damit verbundene Heldenklasse - wenn bei der SL eingereicht - aufsteigen. Das Schlitzohr braucht z.B. Kletterhaken oder Dolche und der Magier Stäbe und so weiter. Man kann zwischen den Questen immer wieder auschecken, bekommt die dann die Restzeit angezeigt und geht Essen, Trinken oder Karten tauschen. Wir hatten Erwachsene, die außerhalb der Goblinstadt quasi das Basiscamp bewachten und die Rohstoffkarten sortierten. Zwischen all den verschiedenen Basiscamps herrschte ausserhalb der Goblinstadt ein reger Tauschhandel und so konnten wir nach und nach zielgerecht Stufe um Stufe aufsteigen. Mehr Dolche und Schlüssel für das Schlitzohr (echte Schlüssel, die in bestimmte Türen öffnen), großer Zauberstab für den Magier, und die schlagkräftige Bratpfanne für den Heiler.

Rohstoffe zum Leveln
Alles in allem waren die zwei bezahlten Stunden eher vier und mit den ganzen anderen Gruppen im Dungeon, die sich gerne gegenseitig halfen ("Welche Quest macht ihr gerade?", "Wisst Ihr, wo wir einen Hinweis auf meluvische Pfeile finden?"), der hilfreichen Spielleitung und dem ganzen Ambiente war das ein obercooles Event, irgendwo zwischen LARP und World of Warcraft. Das will gerne mal wiederholen (meine Jungs natürlich auch). Ich komme auch gerne das nächste Mal mit ins Drachenlabyrinth (die Meinung der Jungs, welches von beiden besser ist, geht auseinander). In der Goblinstadt gibt sogar Abende, nur für Erwachsene. ;)

Mist, am 7. September kann ich nicht
Einzig die Menge und der z.T. extreme Lärmpegel waren Schwierig und die Horde Kinder zum einen Ihr Ding machen lassen, zum anderen zwischen den unterschiedlichen Befindlichkeiten zu vermitteln war ewig anstrengend. Für rollenspielende Eltern Kinder ein absolutes Muss!

Vielleicht laufen wir uns dort mal über den Weg!

Die Heldenbögen vom Drachenlabyrinth

Die im Drachenlabyrinth zu erwerbende passende Mappe

Hier nochmal die Links zu den "Indoor-Live-Rollenspiel-Anlagen":
* Goblinstadt - http://goblinstadt.de
* Drachenlabyrinth - http://www.drachenlabyrinth.de



Kommentare:

  1. Geiler Scheiß!
    Ich suche mal gerade eine Heldengruppe aus der Klasse meines Sohnes zusammen. :)

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    1. Als eine derjenigen die am besagten Tag draußen saß, kann ich nur sagen, dass auch das echt in Stress ausarten kann ;) Am Ende hatten wir eine Excel-Tabelle um den Überblick zu behalten.

      Wir waren am Donnerstag das erste mal da (2 Erwachsene, 1 Kind). Da war es deutlich leerer und wir "Großen" haben dann mitgespielt. Das war, zumindest für mich, entspannter, dafür gab es aber auch keinen Tauschhandel.

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