Montag, 7. September 2015

Living on the Edge - Teil 2

Gestern habe ich mal einen Shadowrun 5 Charakter als Fate Core Version gebaut und dabei (erneut) die Vorzüge dieses kompakten Rollenspiels gesehen. Jetzt will ich das auch mal mit einer Turbo-Fate Version probieren.

Auch wenn sich beide Systeme sehr ähnlich sind, gibt es aber doch einen wesentlichen Unterschied: Turbo-Fate kennt keine Fertigkeiten. Das macht dann also die gewählten und etablierten Fertigkeiten nutzlos und dementsprechend auch die Stunts.

Zur Erinnerung: So sah der elfische Hacker Izanagi bei Shadowrun 5 aus.

Und so bei Edgerunner, meinem flotten Fate Core Shadowrun 5 Hack.

Schritt 1 - Aspekte

Hier muss ich nichts verändern, denn hier unterscheiden sich Fate Core und Turbo-Fate nicht.

Ein kleiner Unterschied ist, dass Turbo-Fate generell erstmal drei Aspekte für einen Charakter vorsieht und die beiden weiteren Optional anbietet. Dabei verwendet Turbo-Fate dann auch keine Hilfe wie das Phasentrio aus Fate Core.


Schritt 2 - Methoden

Bei Turbo-Fate gibt es keine Fertigkeiten. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Es gibt Methoden, die ganz grob vielleicht Attributen ähneln. Als da wären…
  • Flink,
  • Kraftvoll,
  • Scharfsinnig,
  • Sorgfältig,
  • Tollkühn und
  • Tückisch.

Mit diesen Methoden werden die Würfelproben bei Turbo-Fate abgehandelt und damit alle aus Fate Core bekannten Aktionen (Überwinden, Vorteil erschaffen, Angreifen und Verteidigen). Dabei gilt folgende Grundregel: Du musst deine Methode danach wählen, wie du deine Aktion beschrieben hast. Mann sollte bei der Beschreibung seiner Aktion also am besten eine der Methoden nennen, wie etwa “Ich knacke Flink das Magschloss” oder “Ich suche Sorgfältig nach den Daten”. Dann würfelt man und fertig.

Ich muss Izanagi nun Werte in diesen Methoden zuweisen und dabei praktisch 75% des SR5-Charakterblattes oder die 20 Fertigkeiten von Edgerunner auf 6 Werte zusammen fassen. Dafür stehen mir folgende Stufen zur Verfügung:
  • 1x Gut [+3]
  • 2x Ordentlich [+2]
  • 2x Durchschnittlich [+1]
  • 1x Mäßig [+0]

Hier fällt auf, dass man höchstens bei Gut [+3] startet, also im besten Bereich etwas schlechter als bei Fate Core ist. Andererseits wird mit diesem Wert auch deutlich mehr aufgefangen, also geht das wohl in Ordnung.
Wie sähe es eigentlich aus, wenn eine Fate Core und eine Turbo-Fate Figur an einem Tisch spielten? Was für spürbare Unterschiede würden sich heraus kristalisieren? Technisch sollte das möglich sein, denn die Regeln unterscheiden sich nur in den Werten, mit denen gewürfelt wird.

Egal, erstmal weiter im Text. Der elfische Decker soll sein Können mit 6 Methoden beschreiben und da muss ich nun die verfügbaren Stufen vergeben. Am einfachsten fällt es mir erstmal den niedrigsten Wert zu wählen. Izanagi ist alles andere als Kraftvoll, weswegen ich ihm dort einen Wert auf Mäßig [+0] verpasse.

Jetzt wird es schwierig. Die anderen Methoden sehe ich alle als vergleichsweise wichtig für einen Decker an, will also keine auf einem niedrigen Wert haben. Aber auch hier muss ich natürlich Abstriche machen und gegebenenfalls mit Stunts - die ich ja auch neu definieren muss - gegensteuern.

Also wähle ich Flink und Tückisch auf Durchschnittlich [+1], weil Izanagi grundlegend ja zum einen körperlich nicht wirklich viel leisten kann und zum anderen bei Shadowrun 5 auch kein Schleichen oder ähnliches beherrschte (ich frage mich gerade, wieso eigentlich?).

Jetzt kommen die Methoden, die Izanagi Ordentlich [+2] beherrscht und da nehme ich dann mal Tollkühn und Sorgfältig und zuletzt Scharfsinnig auf Gut [+3].


Schritt 3 - Stunts

Nun kann ich die neuen Stunts auf zweierlei Arten angehen und zwar indem ich entweder den Shadowrun 5 oder den Edgerunner-Charakter als Basis verwende. Tatsächlich will ich hier meinen ersten Gedanken treu bleiben und versuche, die Stunts von Edgerunner nachzubauen.

Bei der Definition von Stunts bietet Turbo-Fate zwei Schablonen an, derer ich mich hier bedienen will. Das sieht dann für den Stunt "Codebrecher" in etwa so aus:
Weil ich ein guter Codebrecher bin, bekomme ich einen Bonus von +2, wenn ich mich mit elektronischen Sicherheitsmaßnahmen befasse und dabei Scharfsinnig das Problem überwinde.

Den Stunt "Agent" versuche ich ohne die Schablonen nachzubauen. Die Schablonen passen hier einfach nicht und tatsächlich verweist Turbo-Fate an der Stelle auch darauf, dass man das entsprechende Kapitel bei Fate Core bemühen darf. Der neue Stunt sieht also so aus:
Einmal pro Szene kann ich einen Fate-Punkt ausgeben, um eine Probe auf Sorgfältig durchzuführen, die die Arbeit meiner Agenten und Programme im Hintergrund repräsentiert. Dafür muss ich allerdings ein paar Minuten zur Konfiguration aufwenden. Für jede Erfolgsstufe dieser Probe erschaffe ich einen Aspekt, entweder für die Szene oder das Ziel der Untersuchung. Nur einer dieser Aspekte ist mit einem freien Einsatz belegt.

Und zuletzt der Stunt "Eiliges Hacken".
Weil ich eilig Hacke, kann ich bei körperlichen Konflikten in der Matrix Scharfsinnig anstatt Flink für die Bestimmung der Initiative verwenden.


Schritt 4 - Der Rest

Bei Turbo-Fate wird nun nur noch die Erholungsrate definiert, die ebenfalls 3 beträgt und nur reduziert wird, wenn man mehr als 3 Stunts haben will.

Anders als bei Fate Core hat man bei Turbo-Fate nur eine Stresskategorie und dort fest definierte drei Kästchen. Bessere Werte in Methoden ändern an der Anzahl der Kästchen nichts.


Und nun?

Jetzt ist auch der Turbo-Fate Shadowrun 5 Hack Izanagi fertig.

Die Methoden wirken etwas sehr abstrakt. Ganz sicher erfüllen sie ihren Zweck, aber von Shadowrun 5 kommend muss man hier stark umdenken. Und dann gibt es da noch eine ganze Menge an in Shadowrun etablierten Dingen, die hier entweder komplett wegfallen oder mit eigenen Regeln hinzu gedoktert werden müssten. Zum Beispiel Geld und Ausrüstung, zwei elementare Themen bei Shadowrun. Auch Magie müsste man in dieser abstrakten Probenmethode finden, von Geisterbeschwörungen ganz zu schweigen.

Ich finde, dass die Methoden in ihrer Darstellung und Beschreibung nicht so ganz zu Shadowrun passen. Vielleicht würde es helfen, sechs andere Methoden zu etablieren oder zumindest die Begriffe so anzupassen, dass man eine dystopische Sechste Welt vor Augen hat, wenn man Nitro-Edgerunner (Shadowrun 5 mit Turbo-Fate) spielt. Etwa wie Schnell, Brutal, Logisch, Berechnend, Eiskalt und Verschlagen.

Wenn es Edgerunner als Regelwerk gäbe, wäre Nitro-Edgerunner vermutlich die Version, die als Schnellstarter zum GRT unters Volk geworfen werden würde.

>> Hier geht es nochmal zum ersten Artikel zu Edgerunner



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