Mittwoch, 15. März 2017

Mittendrin statt nur dabei

Wie das Leben so spielt, hat man irgendwann für sein heiß geliebtes Hobby nicht mehr so viel Zeit. Es ist ja nicht so, als wenn die Zeit plötzlich weg ist - sie wird einfach mit anderen Dingen gefüllt. Zum Beispiel mit der eigenen Familie.
Mir geht es in diesem Beitrag darum, mich an einem Thema abzuarbeiten, dass aktuell in der (rollenspielenden) Öffentlichkeit recht innig diskutiert wird. Ich reite sozusagen auf einer Welle mit, die mich aber nicht vollends befriedigt oder befriedigen kann. Vielleicht ist sie der Weg dorthin? Aber der Reihe nach...

Pause, zweiter Frühling und das Bloggen

Zuerst habe ich versucht, Rollenspiel und Familie irgendwie mit einander zu verbinden. Aber ich musste deutlich mehr Engagement in die Familie stecken und alte Gewohnheiten erstmal ruhen lassen. Ende 2010 war es eine Art zweiter Frühling für mich, als ich das Online-Rollenspiel fand und mich auf der Drachenzwinge anmeldete. Ich habe seitdem - wenn möglich - wöchentlich an Spielsitzungen teilgenommen. Aber das war dennoch eine sehr isolierte Art und Weise Rollenspiel zu erleben (auch wenn ich oft mit Freunden spielte, die ich kannte und hinzu holte). Also fing ich im November 2013 an, zu Bloggen (mein erster Beitrag).

Teilzeitheld

Mein Thema war zu Beginn ausschließlich Shadowrun, dass mich mit der fünften Edition gerade wieder ansprach. Etwa ein halbes Jahr später hatte ich den Wunsch, auch mal etwas zu einem anderen Thema zu schreiben, das mich gerade umtrieb. Und da ich durch ein Gewinnspiel (die Ausschreibung und der Artikel zum Gewinn) in Kontakt mit den Teilzeithelden getreten war, fragte ich mal an, ob man meinen Artikel nicht dort veröffentlichen wollte. Und kurz darauf, fragte mich TZH-Chefredakteur Roger, ob ich nicht generell Lust hätte, für die Teilzeithelden zu schreiben und das tat ich dann auch (meine Artikel finden sich hier). Mein Elan verlies mich aber nach und nach. Die Teilzeithelden sind eine ziemlich professionell geprägte Institution und entsprechend sind die Arbeitsabläufe. Verbindliche Zusagen gehören ebenso dazu, wie eine anhaltende Kommunikation über alle relevanten Belange. Das hat mich mehr und mehr unter Druck gesetzt und wenig befriedigt - es fühlte sich mehr wie Arbeit und weniger wie Hobby an. Zudem habe ich im Mai 2015 meinen Blog für alle rollenspielrelevanten Themen geöffnet und mir damit den Raum geschaffen, so zu schreiben, wie ich es will und wann ich es will.

Rollenspielübersetzer

Zum Ende 2015 habe ich meine Arbeit bei den Teilzeithelden beendet, wobei ich bei dem Podcast noch ein wenig mitgeholfen habe. Aber nicht viel. Dafür habe ich aus Interesse um das Science-Fiction-Kompendium für Savage Worlds mit Christian Loewenthal von Prometheus Games (PG) über das Tanelorn-Forum Kontakt aufgenommen. Dazu habe ich hier auch schon ein wenig geschrieben. 
Das deutsche Dresden Files bei Kickstarter
Plötzlich war ich also Teil des Übersetzungsteams des Dresden Files-Rollenspieles. Engagiert und auch ein wenig stolz. Würde man mich einstellen, wenn man nicht davon überzeugt sei, ich hätte es drauf? Ich habe dennoch um einen Abschnitt Bedenkzeit gebeten, das Angebot zu überdenken, habe losgearbeitet, eingereicht und hier und um die eine oder andere Nachbesserung am Vertrag gebeten. Christian war zufrieden, ich war zufrieden, also ging es los. Fortan habe ich Abends und am Wochenende an meinen Kapiteln gearbeitet und mich dabei mit den anderen Übersetzern ausgetauscht. Pünktlich zum vertraglich vereinbarten Abgabezeitpunkt habe ich meine Kapitel (die ich ansonsten für alle Kollegen öffentlich via Google Drive bearbeitete) eingereicht.


Kaltes Wasser wird nicht warm

Ich bin etwas unsicher, was ich so ohne weiteres nach Außen tragen darf oder sollte. Aber was mich seitdem wurmt und mehr noch im Lichte dessen, dass sich die Veröffentlichung weiter verzögert und noch noch mehr deshalb, weil der Verlag vor allem seiner Kommunikationspolitik wegen berühmt berüchtigt ist, ist, dass ich keine Ahnung von der Qualität meiner Arbeit habe. Es gab bis heute keine qualifizierte Rückmeldung. Es gab kein Lektorats- oder Korrektorats-Ping-Pong, wie ich es von den Teilzeithelden gewohnt war. Den Teilzeithelden, die das ganze neben den eigenen Berufen stemmen und damit nicht viel mehr Geld machen, als die Wartung der Technik und ähnliche Ausgaben in Anspruch nehmen. Nicht zu vergleichen, mit einem Verlag, der eine oder mehrere sich hauptberuflich damit befassende Personen beschäftigt.

Ich habe keine Ahnung, ob mein Debüt am professionellen Rollenspielmarkt überhaupt irgendeine Relevanz hat. Während die auf den älteren Fate-3-Regeln basierende deutsche Ausgabe des Dresden Files Rollenspiels auf sich warten lässt, ist längst eine englische Fate Core-Konforme Version erschienen (Dresden Files Accelerated - sozusagen Dresden Files mit Turbo-Fate). Und Relevanz oder nicht, ich habe keine Ahnung, ob meine Arbeit überhaupt für ein Rollenspielprodukt angemessen ist. Ich bilde mir ein, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe. Aber das hat ABSOLUT NICHTS zu bedeuten.

Viel Lärm um nichts

Und so verschlinge ich dieser Tage alles, was ich zu PG finden kann, will, dass die Diskussion am Leben bleibt und hoffe auf ein Lebenszeichen von PG und dem deutschen DFRPG. Auf Anzeichen dafür, dass das Buch endlich im Handel erscheint und ich mit Hilfe der ersten Rezensionen erfahre, ob das Rollenspiel (und meine Arbeit) trotz allem noch etwas taugt.

Prometheus Games hat über die Jahre eine Reihe von Kanälen für die Kommunikation zwischen Verlag und Fans aufgemacht und ist mehr als unstet darin, diese im Auge zu behalten und auf Fragen einzugehen. Für Dresden Files gibt es folgende:
Die verwaiste Verlagswerkstatt

  • Die Updates und Kommentare des ursprünglichen Crowdfundings. Das letzte Update (Nr. 41) stammt vom 14. November 2016 und enthält im Vergleich zur Größe des Updates nur sehr wenig Informationen zu Dresden Files, bei dem der Eindruck erweckt wird, dass Band 1 (Eure Welt) praktisch fertig ist. Der letzte Kommentar stammt vom 10.03.2017 von einem, der allerdings nur ein Beitrag in der Unterhaltung der verschiedenen Unterstützer ist. Der letzte Kommentar von Verlagsseite stammt vom 28.09.2016. Seitdem wurde dort keine Frage beantwortet.
  • Die Verlagshomepage. Dort gibt es verschiedene Wasserstandsmelder, wie etwa...
    • die News mit den "Crowdfunding Updates", die zwar für einen zwei bis dreimonatigen Rhythmus angekündigt wurden, allerdings deutlich seltener erscheinen. Das letzte ist vom 20. Januar 2017 mit wenig Neuigkeiten zu Dresden Files, die ihrerseits nur eine Wiederholung des Standes vom 31 Dezember 2016 sind (von einem neuen Würfelbechermotiv abgesehen). Bis vor kurzem war es möglich, Anmerkungen, Fragen und Kritik über die Kommentarfunktion unter den News-Beiträgen anzufügen. Am 28.02.2017 ist die Kommentarfunktion dann abgeschaltet worden. Verlagsleiter Christian Loewenthal schreibt dazu im Forum:
      "Zu Beginn hatten wir die Kommentarfunktion im Blog abgeschaltet und alles lief über das Forum. Irgendwann war das Forum recht tot und es kamen nur wenige Kommentare, meist spezifisch zu Updates. Wir haben dann die Kommentarfunktion aktiviert. Als das Kommentaraufkommen wieder anwuchs, wurde klar, dass a) Die Kommentarfunktion für uns sehr unübersichtlich ist. Man kann "Gespräche" dort nur sehr schlecht führen. b) Das Forum wieder aktiver wird und wir dieselben Gespräche dann dreimal führen dürfen. Das ist von uns im kleinen Team nicht schaffbar und führt dann zu dem unbefriedigenden Gefühl, dass wir nicht antworten möchten oder jemanden ignorieren. c) Lassen sich einzelne Beiträge im Forum auch besser moderieren als auf dem Blog." 
    • Dann gibt es dort noch die Verlagswerkstatt, die augenscheinlich allerdings schon ewig nicht mehr aktualisiert wurde. Dort finden sich aktuell noch Angaben zu Erscheinungsterminen von Q2 2016, die nicht inzwischen einen Status wie "Im Verkauf" oder so haben (siehe Bildschirmfoto).
    • Auf der Verlagsseite findet sich auch etwas mit dem Namen "Fanfinanzierungen". Die Beschreibung der Seite ist unter anderem: "Auf dieser Seite, und unter den weiterführenden Links, findet ihr künftig alle Neuigkeiten und den aktuellen Stand unserer Fanfinanzierungen." Zu Dresden Files findet sich dort allerdings aktuell nichts, wie auch nicht unter dem Hinweis "Unsere aktuellen Projekte findet ihr daher unter www.prometheuscrowdfunding.de".
    • Über die Verlagshomepage erreicht man dann auch das Verlagsforum, wo es auch immer mal wieder Neuigkeiten, Fragen und Antworten gibt. Neuigkeiten zu Dresden Files findet man dort im Forenbereich "Weitere Systeme". Soweit ich sehen konnte, stammt der letzten Forenbeitrag vom Verlag vom 27.10.2016 zu den von den Fans bereitgestellten Errata der bis dahin an die Unterstützer der Kickstarter-Kampagne veröffentlichten PDF-Vorabversion (Version 0.91). Seitdem gibt es eine Reihe von weiteren unbeantworteten Fragen zu dem aktuellen Stand seitens der im Forum registrierten Fans.
    • Prometheus Games hat auch eine Facebook-Seite. Soweit ich diese ohne ein eigenes Benutzerkonto bei Facebook einsehen kann, gibt es dort auch keine Meldungen zum Stand von Dresden Files. Der letzte halbwegs relevante Eintag stammt vom 20. Januar und bezieht sich auf das "Crowdfunding Update" von diesem Tag.
    • Und Prometheus Games hat auch ein Benutzerkonto bei Twitter. Soweit ich das Prinzip von Twitter verstehe, gibt es dort allerdings höchstwahrscheinlich keine Neuigkeiten, sondern nur Verweise auf Neuigkeiten auf anderen Kanälen (Verlagsseite, Facebook, ...).


Schwierige Missverständnisse

Es gibt demnach keine jüngeren Angaben als die vom 31.12.2016, nachdem das PDF vom Band 1 verschickt wurde. Wenn man sich die Kommentare unter diesem Verlagsbeitrag durchliest, stellt sich allerdings heraus, dass es sich bei dem verschickten PDF um die Version 0.91 handelt, die bereits im Oktober verschickt und zwischenzeitlich von den Fans lektoriert wurde (siehe Bildschirmfoto rechts). Das bedeutet, dass es bisher keinen jüngeren veröffentlichen Stand über den Zustand des Buches als als den vom 27. Oktober 2016 gibt.

Zu Band 2 (Unsere Geschichte) wurde irgendwann vor dem 31. Dezember 2016 der Arbeitstext an die Unterstützer geschickt und ... "Der dritte Band, die Paranet Papers, war für März 2017 geplant, ist aber nun schon durch die Übersetzung und kommt auch bald auf euch zu."
Es wird nicht deutlich, worauf sich "bald" bezieht und was "kommt [...] auf euch zu" bedeutet. Vielleicht bezieht sich letzteres auf den Versand eines Arbeitstextes, der - den Kommentaren im Forum nach - vermutlich noch nicht erfolgt ist.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Verlagsleiter Christian Loewenthal am 03.03.2017 folgende, auch das Dresden Files Rollenspiel betreffende, Ankündigung machte:

"In den nächsten Tagen werden wir euch nach und nach für noch offene Projekte eine Roadmap vorlegen. Diese wird zentral zu erreichen sein."


Reizthema

Wem es entgangen sein sollte (und wer bis hierhin gelesen hat), der sei an dieser Stelle noch auf eine Reihe von lesenswerten Beiträge zu Prometheus Games aufmerksam gemacht. Tatsächlich finde ich viele von denen gar nicht mal so lesenswert. Aber sie helfen mir zum einen, mich an dem Thema abzuarbeiten (i.d.R. als Leser) und zum anderen bieten sie ein größeres Bild. Und es sind einige Autoren darunter, die sich mit der Aufarbeitung der verfügbaren und über alle oben genannten Kanäle verstreuten Informationen befasst haben (Danke!).

Fate-Redaktion

Der angefangene Faden ist übrigens nicht mit meiner (überschaubaren) Arbeit für das Dresden Files-Rollenspiel zu Ende. Ich bin vor einiger Zeit der deutschen Fate-Redaktion des Uhrwerk-Verlages beigetreten. Aber da gibt es so viele engagierte und auch routinierte Mitarbeiter, dass ich wenig helfen kann oder überhaupt helfen brauche. Ich habe es nicht eilig.

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