Dienstag, 24. Januar 2017

Meine Konflikte mit Konflikten

Ich habe in den letzten Wochen verschiedene Einsätze von geistigen Konflikten in meinen Fate-Runden erlebt und nicht alle liefen so, wie ich es mir gewünscht hätte. Oder wie es meine Mitspieler verdient hätten. Hier zwei Beispiele.

Vor ein paar Wochen entstand in unserer Master of Umdaar-Kampagne nachfolgende Situation. Die dabei verwendeten Namen von Orten und Figuren sind nicht wichtig, helfen vielleicht aber bei der Orientierung.

In kleinem Kreise

Alanea und Ash sind bei dem Versuch, eine der sagenumwobenen Sternenklingen zu bergen in die Gefangenschaft der finsteren Kaji-Sa geraten. Die anderen Helden ziehen sich ins Lager der Schwarzfell-Felinari zurück und beraten über das weitere vorgehen. Währenddessen taucht Kaji-Sa dort mit ein paar Söldnern auf und bittet um eine Unterredung mit den Helden. Man gewährt ihr das den Felinari Heilige Recht der Gastfreundschaft und gibt ihr und den Helden ein Zelt zur Besprechung.

Kaji-Sa hat mit den Gefangenen zwei der Sternenklingen, die anderen Helden haben noch eine. Kaji-Sa ist nun gekommen, um das Leben der Gefangenen gegen die fehlende Klinge auszutauschen. Die Helden hingegen wollen Kaji-Sa besiegen und dann ihre Kameraden befreien. Kaji-Sa ist aber ein harter brocken, weswegen sie irgendwie die Hilfe der Felinari beim Überwinden von Kaji-Sa gewinnen wollen. Sie fassen den Plan, Kaji-Sa dazu zu provozieren, dass sie die Helden angreift und damit ihr Recht auf Gastfreundschaft verwirkt und sich die Felinari bestenfalls zum Feind gemacht hat.

Es geht im Endeffekt also um zwei Seiten, mit unterschiedlichen Zielen und das klang für mich nach einem geistigen Konflikt. Und so haben wir die Szene dann auch ausgespielt. Kaji-Sa hat den ersten Angriff gegen den Sprecher der Helden (Ulmar) damit eröffnet, dass sie ihre Forderung ausgesprochen hat: Klinge gegen Helden. Und da die Helden nur eine Klinge haben, gibt es auch nur das Leben eines Helden. Wenn der zweite auch überleben solle, müssen man ihr etwas anderes anbieten. Der Angriff war offenbar nicht souverän genug vorgetragen, denn Ulmar widerstand der Einschüchterung und geriet nicht in Stress. Ulmar griff seinerseits damit an, dass ihnen das Leben der anderen egal sei. Man habe die Gefährten nie gemocht und sei sie nun los. Das saß! Kaji-Sa war ab dem Moment völlig aus dem Konzept gebracht (eine mittlere Konsequenz). Da kam natürlich Pech auf meiner Seite und Glück auf der Seite des Spielers zusammen, aber das legte den Grundstein für die weitere Auseinandersetzung. Kaji-Sa versucht noch zu blöffen, dass sie über eine große Schaar von Söldnern verfüge, die das Lager der Katzenmenschen jederzeit angreifen könnten und das sie mit den Helden spreche sei ein großzügiges Entgegenkommen von ihr. Aber sie sah kein Land mehr, da Uno, der andere anwesende Held sie zudem dadurch verunsicherte, dass er klar signalisierte, wie sehr er eigentlich auf Kaji-Sa stand... Am Ende war Kaji-Sa kurz davor, komplett zu unterliegen und ich entschied mich, sie aufgeben zu lassen. Sie wurde sauer, griff an und wurde von den Felinari überwältigt. Da sie aufgab bevor sie besiegt wurde, entschied ich, dass sie noch glimpflich davon kam, nur für eine Weile festgehalten wurde, bis die Ulmar und Uno das Lager der Söldner gefunden, ihre Gefährten befreit hatten und wieder auf dem Weg ins Abendland-Königreich waren. Anschließend wurde Kaji-Sa frei gelassen.

Das Konfliktsystem, das eben nicht nur den klassischen Kampf auf Leben und Tod, sondern auch rhetorische, geistige und soziale Duelle abbilden kann, war ursprünglich auch der Grund, warum ich mir Fate näher angesehen hatte. Hier fand ich genau das schnell und stimmig umgesetzt.

Der Mob

Gestern dachte ich wieder, das ein geistiger Konflikt zum Abbilden eines etwas größeren Hindernisses gut passen könnte. Das ging dann wie folgt:

Die Helden unserer mit einem eigenen Hintergrund versehenen Truppen kamen durch ein Sternentor in eine neue Welt. Dort wurden sie zuerst freundlich als mögliche Kunden empfangen. Als hinter ihnen allerdings das Sternentor verschlossen wurde (vermutlich von der anderen Seite), kippte die Stimmung. Natürlich mussten die Helden etwas damit zu tun haben. Auf der einen Seite standen nun die Helden, die Hilfe brauchten und auf der anderen die Bewohner der kleinen Enklave, die plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten und damit der Verzweiflung nahe sind und einen Mob gegen die Helden bilden, die sie dafür zur Verantwortung ziehen wollen. Der Mob wurde von vier Redelsführern repräsentiert.

Das ganze entpuppte sich als schlecht durchdacht oder durchgeführt (vermutlich beides). Zum einen hab es vier "Kämpfer" auf beiden Seiten, zum anderen als Gegner aber jeweils eine ganze Seite. Wenn ein Kämpfer ein Argument anbrachte, war nie genau klar, gegen wen es sich richtete und wer deshalb unter Stress zu geraten hatte. Am Ende verengte sich die Situation grob darauf, dass sich zwei Sprecher gegenüberstanden und die anderen so weit es ging unterstützten (also Aspekte erschufen/entdeckten). Ich beendete die Szene etwa an der Stelle, wo der Administrator der Enklave einen irrationalen Wutanfall bekam und seine Glaubwürdigkeit bei den Einheimischen für den Moment verspielt hatte.

Das ganze war kein Fiasko, aber auf jeden Fall nicht optimal und etwas, das noch an mir nagt. Im Nachhinein würde ich sagen, dass bei letzter Situation die Wettstreitmechanik besser funktioniert hätte. Ich hätte das Vertrauen der Menge (oder etwas ähnlich universelles) als Ziel beider Parteien definieren können und los ginge es. Dazu gefällt mir auch der Verfolgungsbalken aus dem Fate Handbuch (ab S.54 oder im deutschen SRD), dessen grundlegende Mechanik sich sicherlich für vieles analog zum Wettstreit verwenden lässt. Ich bastele z.B. an der Idee eines Alarmbalkens für Einbrüche bei Edgerunner.

Ich werde aus diesen Erfahrungen auf jeden Fall mitnehmen, dass es nicht schaden kann, seine Pläne zu Beginn einer Szene kurz mit den Spielern zu besprechen. Wenn sie mit Fate vertraut sind, vertreten sie gerne auch mal eine andere Meinung zu den unterschiedlichen Mechaniken.



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