Mittwoch, 14. Dezember 2016

Die Bulldoggen sind los! (I)

Wer mich kennt, hat vielleicht schon mitbekommen, dass es mir nach einem mitreissenden SciFi-Rollenspiel dürstet. Es ist ja nicht so, dass es nicht wenige gute Ansätze da draussen gibt, aber bisher wusste mich keines vollends zu befriedigen. Jüngst fand ich ein Rollenspiel, dass diese Lücke vielleicht füllt. Und weil ich ein großer Freund davon bin, wenn Rollenspiele von Lesern und Fans Kapitel für Kapitel vorgestellt werden, will ich das diesmal auch machen. Stück für Stück, Ihr und ich.
Das Rollenspiel, dass ich meine, heißt Bulldogs! (ja, mit Ausrufezeichen im Titel). Und wen der Titel nicht gleich packt (z.B. mich), der findet sich vielleicht in dem Untertitel wieder:

SCI-FI THAT KICKS ASS!

Bäm!
Gleich zwei Ausrufezeichen auf dem Cover!

Das ebenfalls auf dem Cover sichtbare Titelbild ist dabei eher Mittelmaß. Und eigentlich hätte ich das Rollenspiel im allgemeinen Rauschen des Rollenspielmarktes gar nicht weiter beachtet, wenn ich nicht schon ein wesentliches Element des Spieles kennen würde, was eigentlich erst meine Neugierde geweckt hat: Es verwendet die Regeln von Fate Core.

Ich will im folgenden also mit Euch zusammen das Spiel entdecken und dabei im Grunde auch Fate Core (neu) entdecken. Wenn Dir, lieber Leser, Fate Core noch nichts oder nicht so viel sagt, kommst Du hier ebenso auf Deine Kosten, als wenn Du Fate Core kennst und wissen willst, wie (oder ob) man mit den Regeln SCI-FI THAT KICKS ASS! spielen kann. Ich will mich in jedem Beitrag einem Kapitel widmen (auf 196 Seiten gibt es 12 Kapitel, plus Inhaltsübersicht, Einleitung und Vordrucken) und die Serie mit einem Spielbericht abschließen, dessen Spielrunde spätestens auf der AdventureCon 2017 im kommenden Februar stattfinden soll.

Das Spiel gibt es bisher nur auf englisch. Da ich hier aber auf deutsch schreibe, will ich auch alle Begriffe aus dem Spiel so weit als sinnvoll übersetzen. Wenn es der Orientierung dienlich ist, schreibe ich den englischen Begriff dahinter in Klammern.

Einleitung

Da die Einleitung (Introduction) als erstes (Prä-)Kapitel nur zwei Seiten umfasst, will ich im ersten Beitrag zu Bulldogs! entgegen der vorherigen Ankündigung gleich zwei Kapitel unter bringen.

Die Einleitung stellt in einem Absatz klar, was man in den Abenteuern von Bulldogs! spielt und in einem zweiten, wie sich die Autoren den Hintergrund und den grundlegenden Geschmack von Bulldogs! vorstellen.

Man soll Weltraumtrucker spielen, die sich für 5 Jahre an eine Firma gebunden haben, für die man Waren transportiert. Dem Klang nach, muss man ziemlich verzweifelt sein, sich für diesen Job zu melden, denn entweder hat es die Fracht in sich oder die Orte, die man damit bereist - oder beides. Diesen Job machen die sogenannten Bulldogs (diesmal ohne Ausrufezeichen, denn hier geht es nicht um den Titel des Spieles, sondern um den Titel, den die Protagonisten der Abenteuer tragen).

Dieser, für meine Begriffe durchaus geschmackvolle Aufhänger, wird anschließend mit allen klassischen Klischees untermauert, die das Genre zu bieten hat. Hochdramatische Weltraumabenteuer, Blaster und Überlichtreisen, unüberschaubare Menge an Aliens, mächtige Gegner, Weltraumschlachten, Space-Piraten und vor allem...

"In Bulldogs! geht es [auch] um Zukunftstechnologie - Technologie aus Sci-Fi-Filmen, die nach dem heutigen Kenntnisstand über das Universum vermutlich gar nicht funktionieren würde, aber wen interessiert das schon?"

Im Prinzip wird in dem zweiten Absatz auf der Seite alles aneinandergereiht, was ich am Space-Opera-Genre liebe und ich bin vollends an Bord.

Für Fate-Kenner: Wäre ich unsicher, ob es sich bei Bulldogs! um ein eigenständiges Rollenspiel handelt oder um eine Art Fate-Abenteuerwelt, wäre ich durch den Kasten auf der Seite beruhigt. Hier wird klargestellt, das man Fate Core dafür weder besitzen, noch gelesen haben muss. Ausserdem werden ein paar Schlagworte genannt, in welchen Regelbereiches es Abweichungen von den Vorschlägen bei Fate Core gibt - "to create the unique Bulldogs! feel".

Auf der zweiten Seite des Kapitels erhalte ich einen kurzen Überblick über den Aufbau des weiteren Buches. Jedes Kapitel wird dabei mit einem kurzen Absatz vorgestellt. Dabei fällt auf, dass es für den Hintergrund nur wenige Kapitel (2) gibt und sich beinahe alles auf die Regeln konzentriert. Ich hoffe, dass der Hintergrund in allen anderen Kapiteln deutlich mitschwingt. Fate Core ist eine Art Universalrollenspiel-Baukasten und ich erwarte von einem guten Fate-Rollenspiel, dass es einen eigenen Geschmack hat und nicht wie ein beliebiger Aufguss schmeckt.

Die Galaxis

Kurz und knackig, anders kann man dieses Kapitel nicht beschreiben. Die einzelnen Abschnitte sind jeweils eine Seite lang und malen in groben Pinselstrichen das Bild, in dem die Abenteuer stattfinden sollen. Es gibt zwei große Fraktionen, die die Galaxis beherrschten und tausend Jahre Krieg gegeneinander führten. Seit einigen Jahrhunderten gibt es Frieden oder vielmehr eine Art kalten Krieg zwischen den beiden Reichen und dazwischen ein ursprünglich zur Friedenswahrung eingerichtetes Grenzgebiet. Letzteres ist der Ort, an dem die Helden operieren.

Die Republik von Devalkamanchan ist eine überaus bürokratisch und nicht weniger religiöse und militaristisches Sternenreich in der Aliens (also Nicht-Templari) keine Rechte haben. Sie ist keine Theokratie mehr, aber hat noch viele Züge dessen.

Die Union von Saldralla ist ein bunt bevölkertes Imperium, dass seinen Kaiser wählt und so pragmatisch wie ruchlos ist. Alle sind frei und friedlich und wer gegen diese Grundsätze verstößt, verschwindet plötzlich und endgültig.

Die Grenzzone ist ein Gebiet autonomer Welten, dem Formal ein Regierungs- oder Verwaltungapperat vorsteht, der sich Allianz der föderierten Grenzstaaten (Alliance of Federated Frontier States, kurz AFFS) nennt, der allerdings kaum etwas zu melden hat. Es gibt keine föderale Exekutive und wer zum Beispiel Probleme über seine Grenzen hinaus verfolgt, bedient sich Kopfgeldjäger, krimineller Syndikate oder mächtiger Handelsvereinigungen.

Während die großen Reiche jeweils nur auf einer Seite beschrieben werden, bekommt die Grenzzone als Hauptschauplatz der Abenteuer etwas mehr Farbe. Es wird das Galaktische Zentralpunksystem (Galactic Central Point System, kurz GCP) beschrieben, sowie einige Planeten oder Raumstation in diesem. Das ganze ist nicht erschöpfend sondern wirkt eher exemplarisch - es gibt noch viel mehr dazwischen und es wird die Aufgabe der Spielrunde sein, die Orte dazwischen zu entdecken. Jeder der beschriebenen Orte hat seine eigenen Klischees und ich habe trotz lediglich eines oder zweier beschreibender Absätze sofort ein lebendiges Bild vor Augen.

Zu den Orten gehören auch ein paar ortsunabhängige oder ortsübergreifende Organisationen. Eine Piratenflotte, ein Syndikat und vor allem der Arbeitgeber der Helden: das pangalaktische Unternehmen TransGalaxy, das riesengroß ist und in praktisch jedem Wirtschaftszweig operiert. Und dem die Helden de facto für fünf Jahre gehören.

Wie schon geschrieben, sind diese Beschreibungen kurz und knackig. Was sie aber nicht nur vor meinem geistigen Auge, sondern auch gleich im Spiel lebendig werden lässt, ist ein jeweils dabeistehender Satz von Aspekten, inklusive Beispiele dafür, wie diese eingesetzt oder gereizt werden können.

Für Fate-Einsteiger: Aspekte sind ein universell im Spiel auftauchendes Vor- und Nachteilssystem. Die Spieler können sich eines Aspektes bedienen, um ihre Aktionen zu unterstützen, die Spielleitung kann sie verwenden (Reizen genannt), um Komplikationen einzuführen. Es gibt ein Aspekte-Kapitel bei Bulldogs!, ich werde also später mehr dazu schreiben.

Die Spielgruppe kann sich also gleich dieser Aspekte bedienen und ich sehe das gleichzeitig als schöne Vorlage für das Erschaffen weiterer Orte in der Grenzzone. Hier ein Beispiel:

Der Planet Stakes ist ein Welt gewordenes Las Vegas, das von wenigen reichen Familien kontrolliert wird. Ein vorgeschlagener Aspekt lautet "Leg Dich nicht mit den Familien an". Die Nutzungsvorschläge sehen etwa so aus:

  • Einsetzen: Jemand tritt einem auf die Füße > “Großer Fehler, Moxie. Das war das Geld von Mr. Quickly.”
  • Reizen: Man selbst macht ärger > “Hallo, Miss Donovan. Ich fürchte, Sie haben Ihre letzte Stunde auf Stakes verbracht. Lass den Zement fließen, Gog.”

Das lässt sich sicher leicht für verschiedene Besuche auf der Welt im Laufe von Abenteuern nutzen. Ich finde, das ist ein schöner Kontrast zu den Werten, die Orte oder Welten in anderen Regelsystemen haben, bei denen Bevölkerungs- oder Wirtschaftszahlen oder die Klasse des Raumhafens genannt wird. Griffig und potentiell sofort im Spiel nutzbar.

Fazit

Das Spiel will das Rad ganz klar nicht neu erfinden, das macht der überschaubare Hintergrund klar, der viele genretypische Klischees bedient. Was ich bisher gelesen habe wirkt größtenteils generisch, was mich aber nicht stört. Ich will klassische Space-Opera mit Fate und es sieht so aus, als würde mir Bulldogs! genau das anbieten.

Mal sehen, wie die Regeln dazu aussehen. Das nächste Kapitel nennt sich Fate Core Grundlagen (Fate Core Basics).


Zur Artikelreihe sind außerdem erschienen:


Bulldogs! Fate Core Edition © 2015, Galileo Games, Inc. Authors Brendan Conway, Mark Diaz Truman, Brennan Taylor, and Brian Engard. All rights reserved.
http://www.galileogames.com/bulldogs/

Cover illustration © 2015 Steven Sanders.

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